Das Konzentrationslager in Formentera
Auf Anregung der Kulturbeauftragten Fanny Tur wurde bei der
letzten Plenarsitzung des Inselrates das Konzentrationslager auf
Formentera zum Kulturgut erklärt. Der Inselrat der
Opposition Joan Marí Tur gab im Namen der PP (Anm.:
Partido Popular), die dagegen stimmte, eine Erklärung ab,
die ein bestimmtes Ressentiment und einen Mangel an historischer
Sicht aufwies und nach so langer Zeit immer noch keinerlei Spalt
für eine Versöhnung offen läßt.
Die Ablehnung ist kaum zu verstehen: Wenn man keine Probleme hat,
Studien über die Punischen Kriege, die Präsenz der
Römer oder Araber auf den Pityusen in Auftrag zu geben,
weshalb hat man dann ein Problem, wenn jemand eines der 67 in
ganz Spanien verteilten Internierungslager, deren Hauptziel die
Beugung, die Unterminierung und Ausrottung derjenigen war, die
die Freiheit, die Demokratie und die rechtmäßige
damalige Regierung, die Republik, verteidigten , für
zukünftige Generationen erhalten will?
Über tausend Insassen erlebten vonseiten des Faschismus
keinerlei Nachsicht. Nach dessen Sieg wurde Spanien zu einem
riesigen Konzentrationslager, in dem die Besten der Nation
starben, schon tot oder geflohen waren...
Wir sollten unser Gedächtnis wiedererlangen und uns daran
erinnern, daß unsere Vorfahren für die Freiheit und
die Demokratie einen sehr hohen Preis bezahlen mußten.
Auf der Tafel, die am 14. 2. letzten Jahres an einer der
Lagerruinen zum Gedenken an diese Tragödie angebracht wurde,
steht ein Gedicht von Joan Colomines i Puig: Was war, war.
Zurückbleibt die Asche, auf der wir die Welt aller bauen,
Friedhof der Lebenden, für immer auf den Teich, das Meer und
die Herzen ausgerichtete Erinnerung.
Pedro Marín